Wohnungsnot unter Studenten

Studienplatz ja, Bleibe nein – so geht es zehntausenden Studenten. 50.000 Wohnheimplätze fehlen, klagt das Studentenwerk. Diese Woche wollen sie mit einer Aktionswoche auf sich aufmerksam machen. In Würzburg etwa bleibt manchem Studenten nur ein Ausweg: ein Campingplatz am Flussufer.

Wohnen mit Wasserblick – ein Traum! Und das als Student? Das geht. Allerdings: Die jungen Akademiker blicken hier nicht aus ihrem Penthouse auf den Main, sondern aus einem Wohnwagen auf dem Würzburger Campingplatz „Kalte Quelle“. Wenn andernorts die Zeltplätze über Herbst und Winter dichtmachen, rollen hier regelmäßig zum Semesterbeginn Studenten an, die keine Wohnung finden. In der Region sind wir der einzige Campingplatz, der auch im Winter geöffnet hat“, sagt Betreiber Stefan Schmitt. Für immer mehr Studienanfänger ist das ein Segen, denn die Suche nach einer Studentenunterkunft wird zunehmend schwieriger. „Die Not auf dem Wohnungsmarkt wird größer“, weiß Schmitt, „und für viele unserer studierenden Gäste von den drei Unis in der Umgebung bleibt unser Campingplatz eine Dauerlösung.“

Bund und Länder in der Pflicht

Immerhin eine Lösung, von der Tausende weiterer Studienanfänger derzeit Lichtjahre entfernt zu sein scheinen. Auf rund 50.000 schätzt das Studentenwerk aktuell die Zahl an fehlenden Wohnheimplätzen. Ein strukturelles Problem, so Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks: „Bund und Länder haben seit Jahren in den Ausbau von Universitäten, aber nicht in die Infrastruktur investiert.“

Insgesamt sei die Zahl der Studienanfänger um 25 Prozent gestiegen, die Zahl der Wohnheimplätze jedoch nur um drei Prozent.Das, so Meyer auf der Heyde, räche sich nun umso mehr, weil sich die meisten Städte neu organisierten: „Viele Menschen drängen in die Stadt, auch eine Menge Alte, und alle konkurrieren um günstigen Wohnraum.“ Ein Trend, der sich in Zukunft kaum umkehren werde. Die Forderung des Studentenwerks: „Es muss endlich eine Lösung her, dass sich auch der Bund an der Finanzierung von Wohnraum für Studenten beteiligen kann, die Länder alleine können das nicht stemmen.“ Achim Meyer auf der Heyde geht davon aus, dass bei einer schnellen Lösung pro Jahr 10.000 Wohnheimplätze entstehen könnten.

Studenten machen politisch Druck

Konkret politischen Druck machen wollen diejenigen, die unter der Situation am meisten leiden: die Studierenden. Vom 4. bis 8. November ruft das Bündnis „Studis gegen Wohnungsnot“ zu zahlreichen Aktionen in deutschen Universitätsstädten auf. „Im vergangenen Jahr ist nach einer solchen Aktion zumindest ein runder Tisch im Bundesbauministerium zustande gekommen“, sagt Ben Seel von Campusgrün, einer der am Bündnis beteiligten Studentengruppen. „Das Thema wird ja nicht weniger aktuell: Jahr für Jahr wird die Wohnungsnot größer.“Kurzfristig erwarten die Protestierenden zumindest, dass von den Städten weitere Notunterkünfte zur Verfügung gestellt werden. „Aber selbst dann, wenn man nach dem Schlafplatz in einer Turnhalle eine Wohnmöglichkeit gefunden hat, ist das generelle Wohnproblem für Studierende ja nicht behoben“, sagt Ben Seel. „Wir haben beim BAföG eine Pauschale für Wohnraum von 224 Euro.

Das reicht in den meisten Städten einfach nicht. Man muss neben dem Studium noch mehr arbeiten, und am Ende steht dann eben nicht selten ein Studienabbruch.“ Bezahlbaren Wohnraum, so Campusgrün, könnten die Kommunen beispielsweise durch die Rekommunalisierung von ehemals staatlichem Wohnraum sowie durch verstärktes Engagement im sozialen Wohnungsbau schaffen.

Von der Not- zur Dauerlösung

Dass bereits viele Menschen in prekären Lebensverhältnissen ihr Leben an der Großstadt-Peripherie in Wohnwagensiedlungen fristen, ist aus den USA bekannt. Für die Studenten auf dem Zeltplatz „Kalte Quelle“ bei Würzburg ist das Leben im Wohnwagen zunächst natürlich nur als Übergang gedacht – für die meisten. „Wir hatten aber auch schon Studenten, die ihr gesamtes Studium über geblieben sind“, sagt Stefan Schmitt. Rund 1.000 Euro Miete für das gesamte Jahr pro Stellplatz, das kann auch ein günstiges Wohnheimzimmer nicht toppen. „Aktuell haben wir einen Gast mit einem neuen Wohnwagen mit Warmwasser, eigener Toilette und Fußbodenheizung. Der wird sicher länger bleiben“, sagt Schmitt.

(Autor, Christian Thomann-Busse, veröffentlicht am 4. November 2013 bei heute.de: „Studenten in Wohnungsnot: Zelt-Frust statt WG-Party“)