Mallorca: Neue Benimmregeln in Magaluf

Party ohne Ende: Für so manchen Mallorca-Touristen geht es beim Inselurlaub um nichts anderes. Den Behörden in den Partyhochburgen stinkt das gewaltig. Ab heute gelten nun auch in Magaluf neue Verhaltensregeln – unter anderem ein nächtliches Alkoholverbot auf der Straße.

Briten können feste feiern – das kennt man nicht nur vom Fußball. Offensichtlich haben sie es in der britischen Urlauberhochburg Mallorcas, in Magaluf, zuletzt zu doll getrieben: Alkoholexzessen in der Öffentlichkeit, waghalsigen Sprüngen von Balkon zu Balkon und jeder Menge nacktem Fleisch versucht die Kommune nun mit einem Verhaltenregel-Katalog einen Riegel vorzuschieben. Dabei orientiert man sich im Großen und Ganzen an dem Maßnahmenkatalog, der vor einem Jahr in Palma de Mallorca eingeführt worden ist.

Handhabe gegen große Gruppen außer Rand und Band

Kernstück der neuen Regeln von Magaluf ist ein Alkoholverbot auf offener Straße zwischen 22 Uhr und 8 Uhr. Damit die Polizei nicht alle Getränke auf Alkoholgehalt hin überprüfen muss, umfasst das Verbot gleich alle Arten von Getränken. „In erster Linie geht es darum, großen Gruppen, die außer Rand und Band geraten, auch rechtlich Grenzen zu setzen. Jetzt gibt es eine Handhabe zu sagen: Bis hierher und nicht weiter, und ihr habt es doch gewusst“, sagt Alexandra Wilms, Tourismusexpertin der Mallorcazeitung.

Je nach Schwere der Verstöße drohen den Touristen, die sich nicht an die Regeln halten, teils empfindliche Bußgelder. Dennoch will die Polizei es offensichtlich erst einmal bei deutlichen Ermahnungen belassen, wenn Touristen in den Nachtstunden mit Getränken auf der Straße sind. „So ein Alkoholverbot ist natürlich schwierig durchzusetzen“, sagt Alexandra Wilms.

Tödliche Stürze beim Balkon-Klettereien

Eigentlich ist es immer der Alkohol, der einen Rattenschwanz an Ungemach nach sich zieht. Unbekleidete oder zu spärlich bekleidete Touristen mag man da noch eher verschmerzen als Schwerverletzte und Tote. Und genau die fordert regelmäßig das so genannte „Balkoning“, ein zweifelhaftes Vergnügen in Magaluf: Touristen, natürlich meist angetütert, klettern dabei von Hotelbalkon zu Hotelbalkon – und stürzen häufig ab.

„Pro Saison haben wir rund ein Dutzend Tote in Magaluf“, so die Tourismus-Redakteurin. Auch die Kletterei ist nun ausdrücklich untersagt und wird mit Geldstrafen belegt. Und die Hotelbesitzer werden ausdrücklich aus der Haftung genommen, wenn jemand bei solchen Eskapaden von der Brüstung segelt.

Im geführten Pulk durch die Kneipen

Damit es erst gar nicht so solchen Leichtsinnsaktionen im dicken Kopf kommt, gibt es außerdem neue Regeln für das „Pub Crawling“. Dies sind geführte Kneipentouren mit Freidrink-Armbändchen zum Fixpreis. Maximal 20 Personen darf eine solche Saufgruppe jetzt umfassen. „Pub Crawling“ war im vergangenen Jahr auch der Auslöser für die neuen Magaluf-Regeln, nachdem im Internet ein Skandalvideo kursierte, in dem entwürdigende Sexwettbewerbe während einer solchen Tour gezeigt wurden.

Dass solche Verhaltensregeln nicht die Welt verändern, aber etwas Ruhe bringen können, zeigen die Erfahrungen in Palma de Mallorca. „Es ist ein bisschen Geld in die Stadtkassen gespült worden durch einige Strafen. Aber wenn ich dort bin, sehe ich natürlich immer noch vereinzelt Jungs, die mit Strohhalmen Sangria aus dem Eimer trinken“, berichtet Alexandra Wilms. Wobei es ja gar nicht darum gehe, den Partytouristen den Spaß zu verderben, sondern auch ein gewisses Maß an Sicherheit zu gewährleisten: „Ein Glasflaschenverbot am Strand macht schon Sinn.“

Nächstes Ziel Cala Ratjada

Dennoch scheinen sich nicht alle Partytouristen mit Verhaltensregeln abfinden zu wollen und suchen sich neue Areale für sieben Tage im Rausch. „Aktuell sieht es so aus, als könnte Cala Ratjada viele deutsche Spaßurlauber anziehen. Der Bereich war sonst eher bei Familien beliebt“, sagt Alexandra Wilms. Möglicherweise ist das der nächste Ballermann 2.0, der zu Benimmregeln greifen wird.

(Autor: Christian Thomann-Busse)