Mailen, chatten, daten: Tag der virtuellen Liebe

Verliebt, verlobt, verheiratet – ein Leben lang. Das war einmal. Heute gilt: Deutschland, einsam Single-Land. Millionen suchen einen Partner, packen es aber nicht, in der realen Welt Ausschau zu halten. Ran an den Rechner – rein in die Partnerbörse. Darum es geht es heute, am „Tag der virtuellen Liebe“.

Virtuell – war das nicht die Bezeichnung für etwas, das nur so wie etwas Reales zu sein scheint? Eher haben die verschiedenen Partnerbörsen, die vor einigen Jahren den Tag der virtuellen Liebe ins Spiel gebracht haben, wohl das Anbahnen realer Beziehungen über den virtuellen Raum im Blick gehabt. Schauen, chatten, mailen, daten – und dann vielleicht auch verlieben. Was ja, wie man weiß, nicht immer ganz einfach ist.

Branche mit gigantischen Wachstumsraten

Statt Tanztee heute also das Online-Portal. Mehr als 2.500 solcher Angebote hat das Kölner Unternehmen metaflake für den deutschsprachigen Raum lokalisiert. metaflake, selbst Betreiber des Portals singlebörsen-vergleich.de und weiterer internationaler Vergleichsangebote, analysiert seit 2003 den gesamten Bereich der Partnerbörsen im Internet. Ein Markt mit Wachstumsraten, von denen andere Branchen nicht mal zu träumen wagen: Die Umsätze in Deutschland stiegen von 21,5 Millionen Euro im Jahr 2003 auf zuletzt 185,8 Millionen im Jahr 2013. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der aktiven Nutzer von 3,5 auf 8,1 Millionen.

Acht Millionen Menschen auf der Suche nach dem Partner fürs Leben – oder zumindest für einen gewissen Lebensabschnitt. Kann das überhaupt funktionieren – virtuell von zu Hause? Es kann: „Insgesamt schaffen es die Singlebörsen, rund 25 bis 35 Prozent ihrer Nutzer in Beziehungen zu bringen“, sagt metaflakes-Inhaber Henning Wiechers.

Partnersuche per App auf die spielerische Art

Ob und wie es funktionieren kann, dass zwei Menschen sich im virtuellen Raum näher kommen und dann im realen Leben auch eine Beziehung eingehen, haben die Sozialwissenschaftler Kai Dröge und Oliver Voirol untersucht. Und eine interessante Parallele zu längst vergangenen Zeiten entdeckt: Auch früher schon wurden per Brief erste zarte Bande geknüpft, bevor man sich Auge in Auge gegenüberstand – und dann vielleicht etwas überrascht war. Mal positiv, mal negativ.

Doch spätestens mit der Dating-App „Tinder“ ist nun erneut Bewegung in die Partnerbörsen-Szene gekommen: „Die App präsentiert Bilder und Kurzstatements von potentiellen Partnerinnen und Partnern. Mit einer schnellen Touchgeste auf dem Smartphone entscheidet man, ob man prinzipiell Interesse an einer Person hat oder nicht. Erst wenn beide Personen wechselseitig Interesse bekundet haben, kann man Nachrichten austauschen“, sagt Kai Dröge. Partnersuche zwischendurch auf dem Smartphone – so schnell geht das heute.

Husch husch, ins Bettchen…

Schnell ist ein ganz entscheidender Aspekt für diejenigen, die erst gar nicht ewig lang auf der Suche nach dem Partner fürs Leben sein wollen, sondern hier und jetzt den erotischen Kick suchen. Nur eine Nische? Mitnichten! 3,5 Millionen aktive Nutzer hatten so genannte Adult-Dating-Portale zuletzt in Deutschland. Jahresumsatz 2013: 43,2 Millionen Euro. Die Chancen, dabei dem Nachbarn zu begegnen, stehen also nicht schlecht, wenn man sich auf einem Portal für Sex-Kontakte tummelt.

„Das begann ums Jahr 2000 herum bei Null und ist dann bis 2008 rasant gestiegen. Aktuell halten wir das hohe Niveau“, sagt Datingmarkt-Experte Henning Wiechers. Sex werde eben nicht mehr nur still im heimischen Kämmerlein vollzogen, sondern finde als Gesprächsthema sowohl am Stammtisch der Herren als auch beim Kaffeeklatsch der Damenwelt Beachtung. Stichwort „Sex and the City“ oder „Shades of Grey“. Während man früher eher verschämt nach einem Seitensprung über einschlägige Zeitschriften vom Kiosk gesucht habe, sehe die Akzeptanz von losen Affären heute ganz anders aus. „Online Dating ist in unserer Gesellschaft nicht mehr verpönt und auch Frauen erkennen, wie bequem und einfach es letztlich ist, im Internet nach einem unverbindlichen Sexkontakt zu suchen und vor allem ihn auch zu finden“, so Wiechers.

Info:

Welche finanziellen Möglichkeiten der Markt für Online-Partnervermittlungen bietet, verdeutlicht der Werbeetat von Parship: Mit 6,9 Millionen Euro im ersten Quartal 2015 für Plakatwerbung lag Parship damit auf Platz 1 vor Opel (6,8 Mio), Vodafone (5,2 Mio), McDonald´s (4,6 Mio) und C&A (4,2 Mio). „Offensichtlich zahlt sich das auch aus“, so Branchenexperte Henning Wiechers. „Parship hat pro Jahr rund 1 Million Neuregistrierungen.“

(Autor: Christian Thomann-Busse)